Allgäu:
Bücher
:Kommissar Kluftinger - Seegrund
Die Handlung des Buches beruht auf tatsächlichen historischen
Fakten
Statt Kässpatzen essen zu dürfen, muss Kluftinger nun seinen neuen Fall
lösen: Am Alatsee bei Füssen macht er eine schreckliche Entdeckung - am Ufer
liegt ein lebloser Taucher in einer riesigen roten Lache. Was zunächst
aussieht wie Blut, entpuppt sich als eine seltene organische Substanz aus
dem Bergsee. Kluftinger, der diesmal bei den Ermittlungen sehr zu seinem
Missfallen weibliche Unterstützung erhält, tappt lange im dunklen. Der
Schlüssel zur Lösung des Falles muss tief auf dem Grund des geheimnisvollen,
sagenumwobenen Sees liegen. Viele scheinen etwas zu wissen, doch überall
trifft der Kommissar auf eine Mauer des Schweigens ...
Leseprobe
„Ob es wohl weiße Weihnachten gibt?“, wollte Markus’ neue Freundin Yumiko
wissen, die von dem Anblick der pittoresken Landschaft sichtlich verzaubert
war. Ohne eine Antwort abzuwarten, fuhr sie voller Überschwang fort:
„Hoffentlich taut der Schnee nicht weg. „Dort, wo wir in Japan wohnen, gibt
es nie Schnee an Weihnachten.“
Kluftinger holte gerade Luft, um Yumiko davon zu unterrichten, dass weiße
Weihnachten hier zum guten Ton gehörten, da merkte er, dass ihr Blick starr
wurde und sie mit geweiteten Augen an ihm vorbei sah.
Scheint sie ja nicht sonderlich zu interessieren, wie’s bei uns hier so
zugeht, dachte er ärgerlich und wollte sich schon abwenden, als er sah, wie
sie ihre ohnehin schon schmalen Lippen so stark aufeinander presste, dass
nur noch ein dünner Strich sichtbar war. Ihr Gesicht wurde aschfahl. Dann
begann ihr Unterkiefer zu zittern. Kluftinger bekam eine Gänsehaut:
Irgendetwas schien der Freundin seines Sohnes schreckliche Angst einzujagen.
Langsam drehte er sich in die Richtung, in die Yumiko starrte. Während
dieser langsamen Bewegung fragte er sich, was die Japanerin so erschreckt
haben könnte, hier, in der idyllischen Kulisse eines Allgäuer Bergsees. Er
versuchte, sich vorzubereiten auf das, was er gleich sehen würde: Vielleicht
ein totes Eichhörnchen? Ein verendetes Reh? Doch irgendwie ahnte er, dass
der Schrecken in den dunkelbraunen Augen der jungen Frau von etwas
Schlimmerem herrühren musste. Und dann sah es auch er.
Mit einem Schlag schien es kälter als zuvor. Sein Blick wurde ebenso starr
wie der von Yumiko. Er schluckte, schloss für einen Moment die Augen,
öffnete sie wieder – was er sah, war real: Etwa zehn Meter entfernt, nur
wenige Schritte vom Seeufer, lag ein Mann im Schnee. Er steckte in einem eng
anliegenden schwarzen Anzug und lag auf dem Bauch, die Arme weit vom Körper
weggestreckt. Er war nicht besonders groß, wirkte aber muskulös. Der Kopf
lag so, dass der Kommissar das Gesicht nicht sehen konnte. Dunkelblondes
Haar klebte nass am Schädel des jungen Mannes. Doch Kluftingers und Yumikos
Aufmerksamkeit wurde von einem anderen Detail gefangen genommen: In einem
Radius von beinahe zwei Metern um den Körper hatte sich der Schnee dunkelrot
verfärbt. Offensichtlich lag der Mann in einer unvorstellbar großen
Blutlache.